Wir schaffen unverwechselbare Räume, die der Persönlichkeit und den individuellen Wünschen unseres Auftraggebers entsprechen. Im gemeinsamen Dialog erarbeiten wir eine passende Lösung. Dabei ist jedes Projekt einzigartig und erhält seinen eigenen Stil. Als wichtiger Schwerpunkt unserer Arbeit hat sich im Laufe der Jahre das Thema Wohnen in seiner ganzen Bandbreite herausgebildet. Anspruchsvolle Privathäuser realisieren wir ebenso wie energetische Modernisierungen und soziale Wohnprojekte.

Interview mit Andreas Edye vom 30.05.2013, geführt von Thomas Edelmann

Wo liegt Ihr Arbeitsschwerpunkt?

 

Die Bauprojekte, die ich bearbeiten darf, sind sehr abwechslungsreich. Sie tangieren eigentlich alle Bereiche, vom luxuriösen Villenbau, über Wohnungsumbauten bis hin zu sozialen Wohneinrichtungen, etwa Altenpflegeheime. Außerdem sind wir im Sanierungsbereich tätig, insbesondere was die energetische Modernisierung angeht.

 

Sie haben Ihren Standort in Hamburg. Welche speziellen Bauaufgaben bringt die Stadt mit sich?

 

Das Hamburger Stadtbild ist geprägt von Backsteingebäuden. Aus diesem Grund bin ich als Backsteinberater bei der Sanierung entsprechender Schmuckstücke tätig. Aber Hamburg ist auch bekannt für seine historischen Prachtbauten des Großbürgertums. In diesem Segment habe ich einige denkmalgeschützte Gebäude umbauen dürfen und nach modernstem Standard den heutigen Bedürfnissen meiner Klienten angepasst.

 

Bei Ihren Projekten erkennt man Traditionelles, gemischt mit modernen, puristischen Elementen. Geht die Berücksichtigung von Kundenwünschen nicht auf Kosten eines eigenen Stils?

 

Die Herausforderung besteht darin, unverwechselbare Räume für die Persönlichkeit des Auftraggebers zu schaffen. Tatsächlich arbeite ich kundenspezifisch und versuche individuelle Wünsche der Bauherren maximal zu erfüllen. Die Kunden haben viele Ideen und persönliche Vorstellungen, die ich strukturiere und auf ihre Umsetzbarkeit hin untersuche. Im Dialog finden wir dann eine passende Lösung, die durchaus einen eigenen Stil generiert. Dabei ist jedes Projekt immer neu, denn es gibt kein Schubladendenken.

 

Also gehen Dienstleistung und Kreativität doch zusammen?

 

Ja, man kann es Dienstleistung nennen. Ich bringe meine Kreativität voll und ganz zum Einsatz. Es entstehen individuell geprägte Unikate. Letztlich kommt also etwas zur Dienstleistung hinzu. Der architektonische Ausdruck, Details, die keine Zugaben, sondern wesentliche Bestandteile sind, der Bezug zum Kontext des Bauvorhabens – all das sind Themen, die sich nicht allein aus dem Dienst für den Klienten ergeben, sondern darüber hinausgehen. Das tangiert einen Bereich, für den seit einigen Jahren der Begriff Baukultur gebraucht wird.

 

 

Wodurch ist Ihr Stil geprägt?

 

Meine architektonische Sprache hat verschiedene Ursprünge. Das hängt mit meiner Biografie zusammen. Die deutsche Bautradition und ihre Vorstellung von Qualität und Durcharbeitung eines Projektes bis ins Detail gehört für mich ebenso dazu wie internationale Erfahrungen. Die Grundlagen der Baukunst erlernte ich an der Technischen Universität Braunschweig. Hier war es besonders die Arbeit mit Meinhard von Gerkan und dem Bildhauer Jürgen Weber, die mich beeindruckte. Bei ihnen konnte ich das freie Gestalten ausprobieren. Während meiner Zeit in London, an der University of Westminster, beschäftigte ich mich in Seminaren von Peter Cook und David Greene mit der Architekturtheorie von Archigram. Das Entwickeln unkonventioneller Projekte, die mitunter wenig mit "Häusern" im herkömmlichen Sinn zu tun hatten, inspirierte mich besonders. In der intensiven Zusammenarbeit mit Ian Ritchie Architects lernte ich, wie man das Design der High-Tech-Architekten mit einem Augenzwinkern praktizieren kann. All diese Einflüsse verbindet, dass es dabei um einen ganzheitlichen Ansatz geht, der vom großen Ganzen bis zum letzten Detail nach Klarheit bei der konzeptionellen Arbeit strebt.

 

Wie hat sich Ihre Architektursprache weiter entwickelt?

 

Als sich China immer mehr dem Westen öffnete, habe ich meine Abschlussarbeit bei dem Architekten Otto Steidle an der Technischen Universität in Berlin machen dürfen. Es ging um das "Aeronautical Training Center" in Beijing, ein Joint-Venture von Lufthansa mit China Air. Die Herausforderung bestand darin, modernste Technik an einem Standort gänzlich anderer kultureller Prägung und Tradition zu etablieren. Heute steht dort die sehr geschätzte Berufsschule für Flugzeugtechnik, kombiniert mit dem Betrieb der Flugzeugwartung.

 

Welche Bauaufgaben ergaben sich danach?

 

Die Teilnahme an einem Wettbewerb ergab für mich den Bau der Landesversicherungsanstalt in Neubrandenburg. Hier konnte ich erstmals ein großes Bauvolumen realisieren.

 

Seit 1992 sind Sie selbständiger Architekt in Hamburg. Woran arbeitet Ihr Büro?

 

Als Schwerpunkt hat sich im Laufe der Jahre das Wohnen herausgebildet. Ich realisiere sowohl anspruchsvolle Privathäuser – Villen an Alster und Elbe – wie auch soziale Wohnprojekte. Dabei ist die Baupraxis mit ihren oft engen Vorgaben die eine Seite, die Teilnahme an Wettbewerben und meine freien Entwurfsprojekte, die ich regelmäßig in eigenem Auftrag entwickele, die andere.

 

Weshalb ist Ihnen diese freie Arbeit so wichtig?

 

Es sind Forschungsprojekte, mit denen ich die Grenzen des Wünsch- und Machbaren ein wenig verschieben möchte. Sie dienen dazu Potentiale auszuloten, Möglichkeiten zu erproben, für die sich vielleicht heute noch keine Investoren und Klienten finden, die aufgrund der demografischen Entwicklung und der Veränderung unserer Gesellschaft aber morgen schon Realität werden könnten. Darauf sollten wir vorbereitet sein. Es geht um Konzepte für Wohnpflege-Gemeinschaften, betreutes Wohnen für Menschen mit Demenz, Service-Wohnen in gehobenem Standard, die Integration von Grün in verdichtetes städtisches Bauen und die stärkere Einbeziehung von Tageslicht. Wenn man so will sind das Ideen der klassischen Moderne, die ich mit heutigen Möglichkeiten und Fragestellungen verbinde.

 

Worin sehen Sie die wichtigsten Themen für das Bauen der Zukunft?

 

Nachdem der Wohnungsbau in den letzten Jahren vollkommen von der Agenda verschwunden schien, haben wir bemerkt, dass wir in den Ballungsräumen dringend neuen, aktuellen Bedürfnissen entsprechenden Wohnraum brauchen. Das Leben im Alter wird durch den demografischen Wandel für unsere Gesellschaft zu einem zentralen Aspekt. Deshalb ist es für mich eine besondere Herausforderung Bauprojekte wie das Altenwohnheim in Hamburg-Harburg zu realisieren. Das Wohnpflegekonzept entspricht den aktuellen Standards. Künftig wird es weniger darum gehen, die eine Immobilie fürs ganze Leben zu realisieren, sondern Räume zu schaffen, die auf den Wandel vorbereitet sind. Räume, die der aktuellen Lebenssituation entsprechen, sich aber auch an veränderte Umstände anpassen. Zugleich müssen wir wieder verstärkt nach der Qualität des Bauens fragen. Nachhaltigkeit fängt mit flexiblen Grundrissen an.

 

Wie arbeitet Ihr Büro?

 

Ein Büro kann fachlich und wirtschaftlich nur erfolgreich sein, wenn sich die Mitarbeiter damit identifizieren. Dies spürt der Kunde und ich denke, das ist bei uns gewährleistet.